Durch den Elbgrund wandern

Charakter: aussichtsreiche und lange Wanderung, Trittsicherheit erforderlich
Start- und Endpunkt: gebührenpflichtiger Parkplatz in Ober Schüsselbauden (Horní Mísečky)
Länge: 19 km
Dauer: 6:00 h Gehzeit
Markierte Wanderwege: gelb, rot, blau, rot
Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten: Vrbatova Bouda, Labská bouda, zahlreiche Möglichkeiten in Spindlermühle (Špindlerův Mlýn)
Wegpunkte: Parkplatz, Elbfallbaude (Labská bouda), Elbgrund (Labský důl), Spindlermühle (Špindlerův Mlýn)
Fotospots: Pantschefall (Pančavský vodopád), Elbfall (Labský vodopád), Elbgrund (Labský důl), Aussichten zwischen Vrbatova bouda und Elbfall
Besonderheiten und persönliche Erfahrungen: lange Wanderung bei der Trittsicherheit gerade bei Schnee und Tauwetter vorhanden sein sollte, der Schlussanstieg von Spindlermühle zurück zu Ober Schüsselbauden geht stetig bergauf und zieht sich, Abkürzung mit Taxi ab Spindlermühle möglich,
sowohl Vrbatova bouda als auch Labska bouda empfehlenswert


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Persönlicher Wanderbericht vom 04.11.2017

Pantschefall bei Sonnenaufgang


Es ist Anfang November 2017 und im Riesengebirge hat der Winter schon Einzug gehalten. Die letzten Tage sind von trübem, grauen Regenwetter geprägt im Vorgebirge. Auf Facebook & Co. habe ich schon einige Bilder vom ersten Schnee in den oberen Gebirgslagen gesehen und meine Lust steigert sich von Tag zu Tag meine Fußstapfen in den frischen Schnee der Wintersaison 2017/18 zu setzen.

„Komm lass uns eine Wintertour machen, bevor wir nächste Woche in die Sonne fliegen. Bevor wir die Wärme auf Lanzarote genießen, müssen wir den ersten Schnee gesehen haben!“ Sofort war meine Frau von dem Gedanken angetan und stimmte Freude strahlend zu.
Der Wetterbericht sagte für das Wochenende durchwachsenes Wetter an, immerhin sollte es zwischendurch auflockern und teilweise sonnig sein. Mir fiel sofort wieder der Pantschefall und die Aussichten dort ein, die ich erst kürzlich bestaunt habe. Als Wandertour wäre das aber zu kurz gewesen, also plante ich mir eine lange Tour durch den Elbgrund hindurch nach Spindlermühle und zurück zum Ausgangspunkt in Ober Schüsselbauden.


Alleine schon die Anfahrt zu nach Horni Misecky ist Entspannung pur, denn die Straßen sind alle gut befahrbar und führen mitten durch die Wälder des Riesengebirges. Oben angekommen bin ich etwas verwundert das die Schranken zum gebührenpflichtigen Parkplatz (100 CZK) geöffnet sind. Ich erkläre mir das mit der wenigen Besucherzahl jetzt um diese Jahreszeit und nehme die kostenlose Einfahrt dankend an. Wir machen uns startklar und gehen dann zusammen mit unserer Airedale Terrier Hündin Kleo der Straße entlang weiter bergauf.


Hier wird im Moment viel gebaut. Ein neuer Skilift wird gerade errichtet, wo man auch hinschaut entstehen neue Appartementhäuser und wie immer sehe ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir sind ebenfalls vom Tourismus abhängig als Zulieferer der Hotelindustrie, doch auch mir wird der Touristenandrang in den letzten Jahren etwas zu viel. Die Bergromantik bleibt immer mehr auf der Strecke, wenn Turnshuh- und Bierdosentouristen immer mehr Bequemlichkeit erfahren und in Karavanen über die Gebirgskämme ziehen. Mir bleiben solche Tage wie heute, an denen sich kaum jemand hierher verirrt. Es ist kalt, neblig und die allermeisten Seilbahnen sind zur Zeit geschlossen. In diesen Wochen fühlt man sich als Wanderer noch unter „seines Gleichen“ wohl.

Wir gehen auf dem gelb markierten Wanderweg stetig bergauf. Es ist ein schöner Wanderweg der uns heute leider keine richtige Aussicht bietet, denn bei klarem Wetter hat man ab hier schon eine schöne Sicht auf die Berge. Nach gut 70 Minuten kommen wir auf den roten Wanderweg und mit ihm nach kurzer Zeit zur Vrbatova Bouda. Hier könnte man gemütlich Kaffee trinken und eine kleine Pause einlegen, aber heute wollen wir noch einige Kilometer zurücklegen, also marschieren wir weiter. Vorbei an alten Bunkeranlagen wandern wir nun ca. 20 Minuten auf dem roten Weg hin zum Pantschefall. 

Aufstieg im Morgennebel auf dem gelben Wanderweg (Sony RX100M3)
 

Der Pantschefall ist ein 148 Meter hoher Wasserfall, somit der höchste Wasserfall im ganzen Riesengebirge und eines meiner persönlichen Highlights. Wir stehen nun oberhalb des Pantschefalls und sehen den ersten richtigen Schnee für diese Saison. Die Aussicht hier oben wäre bei besserem Wetter fantastisch. Man hat Sicht auf den Elbgrund (Labský důl), den Ziegenrücken (Kozí hřbety), die Kesselkoppe (Kotel) und den Kahlberg (Lysá horu). Auch die Schneekoppe ist in weiter Entfernung bei klarer Sicht zu sehen. Zusammen mit dem in einigen Stufen steil hinab fallenden oberen Teil des Pantschefalls hat man hier meiner Meinung nach eine der schönsten Ansichten des gesamten Riesengebirges.

Der Pantschefall mit Panorama Aussicht


Auf dem nun etwa 1 Kilometer langen Weg zur Elbfallbaude (Labská bouda) lockert die Bewölkung an manchen Stellen ein klein wenig auf und ab und an zeigt sich auch mal ein Gipfel durch den Dunst. An der Elbfallbaude angekommen, machen wir unserer erste kleine Rast um zu frühstücken und die Aussicht zu genießen. 

Aussicht von der Elbfallbaude aus (Sommer 2017)
 

Von nun an geht es auf den blauen Wanderweg. Nach ein paar hundert Metern kann man hier links hinab steigen zum Elbfall (Labský vodopád). Die Elbe stürzt hier etwa 1 Kilometer nach dem sie ihre Quelle verlassen hat, rund 40 Meter hinab in den Elbkessel (Labské jámy). Man kann hier oberhalb des Wasserfalls mit einer kleinen Sperre das Wasser stauen und hinab stürzen lassen.
Wir wandern nun den blauen Wanderweg hinab, von nun an wird uns die Elbe einige Stunden lang begleiten. Der Weg ist teilweise von Schnee bedeckt, teilweise sehr nass durch das Tauwassser. Hier ist Trittsicherheit erforderlich, auch wenn der Weg ausreichend breit ist, teilweise aber ausgesetzt und unter winterlichen Bedingungen langsam zu begehen. Nach einer halben Stunde kommen wir nun unterhalb des Elbfalls vorbei und können ihn fast in ganzer Höhe bestaunen. 

Von der Elbfallbaude zum Elbfall unterwegs (Sommer 2017)



Der Elbfall von oben (Sommer 2017)

Der Elbfall von unten (Sony RX100M3)


Der blau markierte Weg führt uns nun immer weiter hinab, die Baumgrenze wieder verlassend, in den Elbgrund hinein. Immer wieder kann man hier den Blick schweifen lassen, hoch entlang den steilen Hängen auf denen wir vor ein paar Stunden noch entlang wanderten. Der Elbgrund ist ein herrliches Stück Natur im Riesengebirge. Hier entspannt man sich automatisch und genießt jeden Schritt. Von hier aus kann man, jedoch in einiger Entfernung, auch den Pantschefall in voller Länge den steilen Berghang hinunter fallen sehen.

Bergab auf dem blauen Wanderweg

Der Pantschefall in voller Länge

Heute früh schon über dem Pantschefall stehend, konnte man diesen Wanderweg den wir jetzt gehen deutlich erkennen und die Panorama Aussicht einger Maßen genießen. Wir gehen immer weiter hinab, der Elbe entlang und kommen nun am Ende des Elbgrundes auf eine asphaltierte Forststraße, die nur für den Forstbetrieb und Radfahrer frei gegeben ist. Ansonsten ist man hier zu Fuß unterwegs. Hier laden ein paar Holzbänke zur Pause ein.

Wir wandern bequem kilometerlang durch den Wald. Außer ein paar Forstmaschinen ist hier nur die pure Natur zu sehen. Einige schöne Holzskulpturen wurden hier auf abgesägte Baumstümpfe gestellt und bieten eine nette Abwechslung. Der Weg beginnt jetzt sich in die Länge zu ziehen. Nach einigen Stunden spüren wir die Kilometer in den Beinen und hoffen das wir bald in Spindlermühle ankommen werden und den roten Wanderweg kreuzen werden, der uns zurück führen soll.

Holz Eule

Schnecke aus Holz

Nach einer gefühlten Ewigkeit gelangen wir schließlich nach Spindlermühle und bemerken erst jetzt so richtig, das wir am Wochenende unterwegs sind. Es ist der meistbesuchteste Ort im tschechischen Riesengebirge und dementsprechend überlaufen an diesem Samstag. Den roten Wanderweg zu finden gestaltet sich recht schwierig, denn er beginnt zwischen einigen Häusern und rechts neben dem Hotel „Villa Hubertus“, gegenüber der „Weißen Brücke“
(Bílý most).

Natur pur gibt es zu bewundern

Durch den Elbgrund hinab


Wer in Spindlermühle ankommt und vielleicht schon recht müde ist, der kann sich von hier aus ein Taxi nehmen und sich bequem zurück nach Horni Misecky bringen lassen. Der nun rot markierte Wanderweg ist nämlich vor allem steil und zieht sich über 4 Kilometer stetig bergauf. Wir mobilisieren die letzten Kräfte am heutigen Tage und kommen nach 7,5 Stunden Wanderung gerade noch im Anbruch der Dunkelheit oberhalb der Apartementhäuser und des Parkplatzes in Horni Misecky an. Eine Stirnlampe hätten wir natürlich für den Fall der Fälle im Rucksack gehabt, jetzt um diese Jahreszeit ist sie unverzichtbar.

Die Pointe des Tages setzt es am Parkplatz, als ich sehe das die früh morgens geöffneten Schranken nun geschlossen sind. Ich versuche ein Parkticket zu ziehen um es bezahlen zu können und dann hinaus zu fahren, doch ich kann so oft auf den Knopf am Terminal drücken wie ich will, da kommt kein Ticket. Ich blicke mich im halb Dunkeln um und sehe erleichtert, das mich dieses Schicksal wohl nicht alleine getroffen hat, denn nicht weit neben der Ausfahrt sind Reifenspuren im Gras zu erkennen die über einen zugegebener Maßen steilen Hang hinauf zur Straße führen. Der Weg erscheint mir immer noch besser als hier ewig jemanden zu suchen dem ich auf deutsch erklären muss weshalb ich kein Ticket habe. Als ich über den Hang drüber bin, lachen wir darüber und fahren müde, aber entspannt nach einer wunderschönen Wanderung nach Hause.



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